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Rezension

Stader Jahrbuch 2010

Zur vorliegenden Festschrift für die langjährige, in den Ruhestand verabschiedete Leiterin des Stadtarchivs Lüneburg, Dr. Uta Reinhardt, haben außer den beiden Herausgebern dreizehn Kollegen und Mitstreiter aus — nicht nur niedersächsischen — Stadt- und Staatsarchiven und Universitäten beigetragen. Auf Einleitung, Nachzeichnung ihres Wegs nach Lüneburg und ihrer Tätigkeit in dieser Stadt folgen dreizehn Beiträge aus elf Städten — Göttingen, Hildesheim, Hannover, Braunschweig, Uelzen, Lüneburg, Lübeck, Wilhelmsburg und Stade sowie im Vergleich Oldenburg und Osnabrück — zu verschiedensten Aspekten städtischer Geschichte. Sind die untersuchten Städte hier bei der Vorstellung des Buches in etwa in geografisch aufsteigender Abfolge von Süd nach Nord und dann nach Südwesten absteigend aufgezählt statt z. B. alphabetisch, so folgen die Beiträge der Festschrift der alphabetischen Reihung der Verfassernamen und sind daher weder thematisch noch zeitlich geordnet. Es handelt sich um breit gefächerte Abhandlungen zur Bau- und Architekturgeschichte, Wirtschaftsgeschichte, Sozialgeschichte, Personengeschichte, Verwaltungsgeschichte, Verkehrsgeschichte, Kulturgeschichte; manch ein Beitrag könnte mit zweien oder auch mehreren dieser Prädikate versehen werden. Nicht dem Verfasseralphabet folgend, sondern im Versuch, sie nach Themenkomplexen zu fassen, werden die Beiträge, von denen etliche größtenteils auf unveröffentlichten Unterlagen beruhen, nachstehend vorgestellt. Jeder einzelne Beitrag ist für sich interessant. Ob alles Dargelegte den Städten »zur Zierde« war, mag der Leser und Nutzer beurteilen.
Drei der Beiträge befassen sich mit Lünebürger Belangen. Christian Lamschus verfolgt [bis Ende der 1930er Jahre] die Geschicke der seit 1830 in der Stadt ansässigen Gärtnerfamilie Wrede mit Stiefmütterchenzucht, nationalem und internationalem Absatzmarkt, Auszeichnungen und Ausstellungsteilnahme (S. 139-159). Werner H. Preuß zeichnet Leben und Werk des seit 1899 in Lüneburg wirkenden und die Stadt prägenden Architekten und Denkmalpflegers Franz Krüger (1873-1936) nach (S. 161-178). Herbert Schwarzwälder stellt mit Boy Paysen einen weiteren Architekten vor und besonders neun Architekturskizzen zu Lüneburger Gebäuden (Michaeliskirche, Rathaus, Abtswasserturm, verschiedene Häuser), die 1907 und 1908 — während seiner Ausbildung — entstanden sind (S. 209-221). Die weiteren Beiträge befassen sich mit den zehn anderen der oben aufgezählten Städten. Im Zusammenhang mit dem 1910 bezogenen Neubau des Stadtarchivs Braunschweig skizziert Henning Steinführer dessen Unterbringungsgeschichte von 1408 bis 2007 (S. 223-230). Mit der Entwicklung Hildesheims von einer verarmten Landstadt zum »Nürnberg des Nordens« — so zuerst 1866 — in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts und dem Aufkommen dieses Prädikats setzt sich Herbert Reyer auseinander (S. 179-191). Hannovers Stadtplaner (Ludwig Laves, Ferdinand Wallbrecht, Karl Elkart, Rudolf Hillebrecht), ihre Planungen und deren Umsetzung von Mitte des 19. Jahrhunderts bis zum Wiederaufbau der zerstörten Stadt stellt Karljosef Kreter vor (S. 101-113). Über die zwischen 1906 und 1920 besonders von Lübeck vorangetriebenen Pläne, Kiel, Lübeck und Hamburg und damit auch Lüneburg über einen Nord-Süd­Kanal, ein Vorläuferprojekt des Elbe-Seiten-Kanals, an das deutsche Wasserstraßennetz anzubinden und dieses über die drei Seestädte mit der Ostsee zu verbinden, und ihr Scheitern berichtet Antjekathrin Graßmann (S. 79-99). Gerd Steinwascher widmet sich dem Vergleich der auf beinahe allen Ebenen so unterschiedlichen Städte Osnabrück und Oldenburg während der Weimarer Republik, die beide seit eben dieser Zeit zunächst mit dem Wahlkreis Weser-Ems, dann auch auf weiteren Ebenen administrativ zusammengefasst werden (S. 231-253). Die vergeblichen Bemühungen der kurzlebigen Stadt Wilhelmsburg (1. September 1925-1. Juli 1927), nicht mit der Stadt Harburg zu­sammengelegt, sondern Hamburg angegliedert zu werden, legt Klaus Richter dar (S. 193-208). Thomas Vogtherr befasst sich mit dem von 1913 bis 1946 amtierenden Uelzener Bürgermeister Johann Farina (S. 255-267) und Manfred Garzman liefert eine biografische Skizze Otto Bennemanns (1903-2003), Braunschweiger Oberbürgermeister von 12/1948 bis 12/1952 und von 12/1954 bis Frühjahr 1959 (S. 63-78). Jürgen Bohmbachs Beitrag über Kindergärten, deren Initiatoren und Träger in Stade, schlägt einen zeitlichen Bogen vom vierten Jahrzehnt des 19. Jahrhunderts bis in die 1970er Jahre: von der Kleinkinderbewahranstalt oder Warteschule, über Kinderhort und Kinderheim, NSV-Volkskindergarten, Kinderheim und Kindergarten der Nachkriegszeit zur Kindertagesstätte (S. 27-61). Nacheinander untersucht Helga Kühn für Göttingen Probleme der unmittelbaren Nachkriegszeit, Flüchtlinge und Jugendverwahrlosung (S.115-138).
Außer zahlreichen Schwarz-Weiß-Abbildungen in den Beiträgen ist ein Tafelteil (S. 269-284) mit elf farbigen Bildtafeln (Karten, Pläne, Abbildungen) zu fünf Beiträgen beigefügt: »Kanalbaudiplomatie« (Ta­fel 1-4), »Mitte Hannovers« (Tafel 5 und 6), »Gärtnerfamilie Wrede« (Tafel 7-9), »Wilhelmsburg« (Tafel 10) und »Lüneburger Architektur« (Tafel 12); einigen Abbildungen fehlt in der Bildunterschrift die zeitliche Zuordnung. Ein Bildquellenverzeichnis sowie Personen- und Ortsregister schließen die Festschrift ab. Zu verweisen ist noch auf die Zusammenstellung der Publikationen Uta Reinhardts, unterteilt nach I. Monografien, II. Wissenschaftliche Aufsätze, III. Kartenbeiträge, Handbuch- und Lexikonartikel, IV. Kleinere Beiträge, V. Rezensionen und VI. Herausgebertätigkeiten, enthalten im Bericht über ihre Lüneburger Dienstzeit (S. 20-26).
Gudrun Pischke

 

Rezensierter Titel:

Umschlagbild: »Der Stadt zur Zierde ...«

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»Der Stadt zur Zierde ...«

Beiträge zum norddeutschen Städtewesen im 19. und 20. Jahrhundert
Borchert, Danny/Lamschus, Christian/Bohmbach, Jürgen/Garzmann, Manfred/Graßmann, Antjekathrin/Kreter, Karljosef/Kühn, Helga-Maria/Lenz, Rudolf/Preuß, Werner H./Reyer, Herbert/Richter, Klaus/Schwarzwälder, Herbert/Steinführer, Henning/Steinwascher, Gerd/Vogtherr, Thomas

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