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Rezension

Zeitschrift des Vereins für Lübeckische Geschichte und Altertumskunde Bd. 89 (2009)

Die Festschrift vereinigt neben der einleitenden Biographie von Rudolf Renz DSD (13-16) und den Archivbericht »Im Dienste der Stadt Lüneburg« mit Publikationenübersicht von Danny Borchert (17-26) für die ehemalige Archivdirektorin von Lüneburg 14 Aufsätze, vorwiegend über Städte in Niedersachsen: Lüneburg, Stade, Braunschweig, Hannover, Göttingen, Hildesheim, Wilhelmsburg, Oldenburg, Osnabrück und Uelzen.
Aus Lübecker Sicht verweist Antjekathrin Graßmann, »Kanalbaudiplomatie. Der Nord-Süd-Kanal in der Planung des Lübecker Oberbaudirektors Peter Rehder 1906-1920« (79-99), auf die seit dem Mittelalter durch den Stecknitzkanal bestehenden Beziehungen nach Lüneburg bis in das 20. Jh.: Nach dem Bau des Elbe­Trave-Kanals und den preußischen Plänen für die Fortsetzung des Mittellandkanals 1904 beauftragte der Lübecker Senat 1906 den Oberbaudirektor Dr. Peter Rehder, Trassenführung und Bau einer Wasserverbindung zwischen Hannover und Lüneburg mit der Fortsetzung über Lübeck zur Ostsee zu untersuchen. Der im Mai 1911 abgeschlossene Entwurf wurde im Juli 1912 in einer Denkschrift vorgelegt, die den gesamtdeutschen Binnenwasserverkehr berücksichtigte und sogar eine Kanalverlängerung von Lübeck über die Schwentine nach Kiel einschloss. Nach gründlichen geologischen Untersuchungen und genauen Berechnungen hatte Rehder einen Schleusenkanal mit einem Schiffshebewerk und Hafenbau bei Lüneburg geplant und gleichzeitig taktische Vorschläge für Mitstreiter bei der zu erwartenden politischen und wirtschaftlichen Umsetzung gemacht. Die konkurrierenden Vorschläge Hamburgs, Bremens, Lübecks und Magdeburgs über den Anschluss des Mittellandkanals zu innerdeutschem Hinterland, westfälischem Industriegebiet und der Verbindung zur Elbe und Ostsee zogen sich über das Kriegsende hinaus in die Länge. Im Streit der Denkschriften betonte Rehder bis kurz vor seinem Tod 1920 die volkswirtschaftliche Bedeutung eines ausgebauten deutschen Binnenwasserstraßennetzes im Rahmen der Weltwirtschaft. Der Mittellandkanal erhielt erst 2003 das Übergangsbauwerk zur Elbe bei Magdeburg. Mit dem Bau des Elbeseitenkanals bekam auch Lüneburg 1975 einen Kanalhafen. Rehders sorgfältige Untersuchungen und vorausschauende Verkehrsplanungen, die über regionale Egoismen hinaus gingen, bewährten sich nach über 50 Jahren nicht nur in Lübeck, sondern auch beim Trassenverlauf und den Vorschlägen für die Wasserhaltung beim Nord-Süd-Kanal.
Günter Meyer

Rezensierter Titel:

Umschlagbild: »Der Stadt zur Zierde ...«

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»Der Stadt zur Zierde ...«

Beiträge zum norddeutschen Städtewesen im 19. und 20. Jahrhundert
Borchert, Danny/Lamschus, Christian/Bohmbach, Jürgen/Garzmann, Manfred/Graßmann, Antjekathrin/Kreter, Karljosef/Kühn, Helga-Maria/Lenz, Rudolf/Preuß, Werner H./Reyer, Herbert/Richter, Klaus/Schwarzwälder, Herbert/Steinführer, Henning/Steinwascher, Gerd/Vogtherr, Thomas

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