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Rezension

Zeitschrifft für Bayerische Kirchengeschichte 81 (2012)

Als ein Grenzgänger, der die Geschichte der Reformation, vor allem der »Spätreformation« — dieser Sachbegriff ist ihm wichtig (S. 26f) — von Amerika aus erforscht hat und dazu vielfältig unterwegs war zwischen USA und Deutschland, auch zu Vortragsreisen nach Osteuropa, ist Robert Kolb an seine Aufgabe gegangen. In Deutschland hat er sich immer wieder in der Herzog-August-Bibliothek in Wolfenbüttel aufgehalten, einem der am besten ausgestatteten Forschungszentren für die frühe Neuzeit in Europa. Er verbindet auch breit angelegte Kontakte miteinander. Als Professor im Dienst der »Lutheran Church — Missouri-Synod« hat er bis zu seiner Emeritierung am Concordia Seminary in St. Louis gelehrt, nicht nur Kirchengeschichte, sondern auch Missionstheologie. Am Fachgespräch der Reformationshistoriker hat er sich rege beteiligt. Das ist seit seinem Buch über Nikolaus von Amsdorff (1978) der Erfahrungshintergrund für sein vorliegendes Buch.
Er schreibt ein gut lesbares Buch über Geschichte und Theologie der Konkordienformel. Er kennt die Zusammenhänge wie nur wenige. Die Literaturangaben zeigen, dass er die englischsprachige wie die deutschsprachige Spezialliteratur weitgehend kennt und verarbeitet. Sein Buch ist eine Übersetzung aus dem Englischen, die Marianne Mühlenberg erstellt hat. Der Band ist überschaubar und lebendig zugleich. Man erkennt sein Interesse, Lust auf das Studium der Epoche zu machen, einer Epoche, die oft nur sehr am Rande studiert wird. Thomas Kaufmann gibt dem Band eine anerkennende Einleitung bei, in der die jahrzehntelange Forschungsleistung des Autors gewürdigt wird. Er urteilt, das Buch erschließe »die lutherische Theologie der Konkordienformel in sehr profilierter Manier. Kolbs Sicht der Dinge ist kohärent, niveauvoll und anregend; alternativlos ist sie nicht« (S. 12). Kolb schreibt in seinem Postskript: »Will man die Konkordienformel im 21. Jahrhundert lesen und darauf zurückgreifen, dann ist es nötig, das Dokument in seinem historischen Kontext zu verstehen. In der Forschung sind im letzten Vierteljahrhundert neue Fenster zu der Welt, in der die Formel entstand, aufgestoßen worden. Dieses Buch soll, so ist zu hoffen, dem Leser zu sehr viel genaueren Einblicken in diese Welt verhelfen, als dies noch vor einem halben Jahrhundert möglich war. Mit diesem Wunsch sei es nicht nur denen, die sich für die Konkordienformel interessieren, an die Hand gegeben, sondern allen, denen es darum geht, auch im 21. Jahrhundert Gottes Wort zu verkündigen — um sich ihres eigenen, ganz anderen Kontexts bewusst zu werden und die Botschaft von der Rechtfertigung in Jesus Christus ihren eigenen Zeitgenossen weiter zu sagen« (S. 181).
Das so entstandene Buch ist ein schöner Band, der sich angenehm lesen lässt und zugleich einen großen Tiefgang hat. Es bildet also eine Brücke zwischen der strengen Forschungsarbeit und der Vermittlung an Leser, die nicht Fachleute im engsten Sinn sind, ist also auch für Pfarrer und Lehrer gut geeignet, weil es in der vieljährigen Erfahrung des theologischen Lehrers verwurzelt ist und zunächst amerikanischen Studierenden verständlich machen wollte, worum es in der zweiten Generation der Reformatoren ging. Natürlich ist in Deutschland nicht jede zitierte Sekundärliteratur aus amerikanischen Publikationen leicht erreichbar, aber die Internationalität kommt dem Produkt sehr zustatten. Einige deutsche Publikationen übergeht er auch, was der Überprüfbarkeit der Thesen nicht nur förderlich ist. Gelegentlich kann er auch spitze Bemerkungen zur Literatur einfließen lassen bis hin zu dem Wagnis, auch einen Autor wie Thomas Kaufmann kritisch zu hinterfragen (S. 22, Anm. 26 und S. 26, Anm. 3).
Im Gebiet des heutigen Bayern gab und gibt es bekanntlich zur Konkordienformel sehr unterschiedliche Stellungnahmen, aber das war kein eigentliches Thema, das in diesem Gebiet vorangebracht worden wäre. Trotzdem verdient dieses Buch auch für die bayerische Kirchengeschichte Beachtung. Wer es liest, versteht diese Epoche dann bes¬ser und kann sich von manchen (Vor-)Urteilen sachlich befreien. Bei der Lektüre dieses Buches bewegt man sich inhaltlich im Zentrum der Theologie der evangelisch-lutherischen Kirche.
Rudolf Keller

Rezensierter Titel:

Umschlagbild: Die Konkordienformel

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Die Konkordienformel

Eine Einführung in ihre Geschichte und Theologie
Kolb, Robert/Kaufmann, Thomas

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