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Rezension

Lutherische Kirche 02/2014

2017 wird nicht nur das große Reformationsjubiläum anlässlich Luthers Thesenanschlag in Wittenberg »gefeiert«, 2017 wird es auch 200 Jahre her sein, dass König Friedrich Wilhelm III. zur Vereinigung der lutherischen und reformierten Kirchen in Preußen aufrief. Auch diese Kirchenunion ist Anlass, über die Geschichte der Kirche zu debattieren.
An einem gemeinsamen Kolloquium im Februar 2013 haben Vertreter der Union Evangelischer Kirchen in der EKD (UEK) und der Selbständigen Evangelisch-Lutherischen Kirche (SELK) sich dieser leidvollen Trennungsgeschichte in unterschiedlichen Zugängen neu genähert. Die dort gehaltenen Referate sind nun (zum Teil noch ergänzt) in diesem Band nachzulesen.
1967, zum 150. Jubiläum der Union, hatte Franz-Reinhold Hildebrandt, der damalige Präsident der Kirchenkanzlei der Evangelischen Kirche der Union, eine Predigt gehalten, die ein Zeichen setzte, indem sie die teilweise gewaltsame Durchsetzung der Union konkret ansprach und die damit verbundene Schuld bekannte: »Und wenn Schuld allein durch Vergebung bedeckt werden kann, so wollen wir diesen Tag nicht vorbeigehen lassen, ohne unsere altlutherischen Brüder um solche Vergebung zu bitten.« Gleichzeitig dankte Hildebrandt den Altlutheranern dafür, dass sie in der Nazi-Zeit mancherorts Gemeinden der Unionskirche Gastrecht boten. Allein die Geschichte dieser Predigt ist spannend nachzulesen. Sie wurde damals nicht veröffentlicht — ein so explizites, Versöhnung suchendes Zugehen auf die Altlutheraner war wohl im Vorfeld nicht abgesprochen, Vertreter der so Angesprochenen auch gar nicht eingeladen.
Über die Spannungen im Verhältnis zueinander wird sich heute nur wundern, wer die Geschichte nicht wahrnimmt. Der Schmerz, der mit der Trennung einherging, prägt die kirchliche Identität — aufseiten der Unionskirche wie der SELK.
Wahrheit und Liebe zu verbinden, darum geht es in allem Mühen um Einheit. Franz-Reinhold Hildebrandt hatte das in seiner Jubiläumspredigt eindrücklich formuliert: »Die Treue zum Bekenntnis und der Ernst der Wahrheit zieht der über alle Trennungen hinauseilenden Liebe oft enge Grenzen. (...) Die Wahrheit und ihr Zeugnis bringen die Liebe zum Schweigen. Wir denken mit tiefer Beugung daran, dass in den Religionskriegen Kirchen ihr Wahrheitsverständnis auf blutige Art durchsetzen wollten. (...) Aber auch umgekehrt hat die Liebe oft genug den Ernst der Entscheidung im Bekenntnis des Glaubens zugedeckt und verdunkelt. Es wurden notwendige Scheidungen aus einem kraftlosen Liebesideal unterlassen. Das ›damnamus‹ (wir verurteilen) ist in der Kirche genauso legitim wie die Liebe.«
Insofern sind die Fragen nach dem Stellenwert der Bekenntnisschriften, der Abendmahlsgemeinschaft, der zwischenkirchlichen Beziehungen nicht von gestern, sondern sehr aktuell. Die Beiträge in diesem Band geben beispielhafte Anstöße zur Bearbeitung »auch anderer schmerzlicher Bruchlinien in der einen Christenheit«, wie die Herausgeberin ihrem Vorwort schreiben: »Dazu gehören die Mühe, am Heilen der Erinnerung zu arbeiten, und die Anstrengung, ein authentisches christliches Zeugnis in der Gegenwart zu geben — der eine Herr, der eine Glaube und die eine Taufe fordern uns dazu.«
Doris Michel-Schmidt

Rezensierter Titel:

Umschlagbild: Preußische Union, lutherisches Bekenntnis und kirchliche Prägungen

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Preußische Union, lutherisches Bekenntnis und kirchliche Prägungen

Theologische Ortsbestimmungen im Ringen um Anspruch und Reichweite konfessioneller Bestimmtheit der Kirche
Kampmann, Jürgen/Klän, Werner/Barnbrock, Christoph/Brunn, Frank Martin/Geck, Albrecht/Großhans, Hans-Peter/Grünhagen, Andrea/Herms, Eilert/Hüffmeier, Wilhelm/Hund, Johannes/Neddens, Christian/Noack, Axel/Schwier, Helmut/Silva, Gilberto da/Stolle, Volker/Theißen, Henning/Wenz, Armin/Ziegler, Roland/Zschoch, Hellmut/Schindehütte, Martin/Voigt, Hans-Jörg

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