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Rezension

Lutherische Beiträge, 18. Jahrgang (2013) Heft 3

Das Buch von Frau Kayales bietet das an, was der Untertitel sagt: eine Hilfe für Angehörige bei einem Sterbefall. In einer Zeit, wo viele Menschen verunsichert und hilflos sind, ist solch ein praktischer Ratgeber für den Umgang mit Sterben und Tod sicherlich vonnöten und hilfreich. So kann man dem Buch manche hilfreiche Information entnehmen.
Wenn allerdings, wie es im Klappentext des Buches heißt, »eine erfahrene Pastorin« schildert, was nach einem Sterbefall zu beachten ist, dann sollte man erwarten, dass neben praktischer Hilfe auch der Trost und die Botschaft des Evangeliums von Jesus Christus zur Sprache kommt. Und hier muss nun die Kritik an diesem Buch ansetzen:
Bilder wie Texte, die dem Buch beigegeben sind, vermengen weisheitliche Texte aus aller Welt mit biblischen Worten. Unter der Rubrik »Eine Auswahl an Bibelworten und Zitaten« (S.40-43) heißt es einleitend: »Menschen haben Worte gefunden für Trauer und Trost« (S.40). Damit werden aus Gottes Wort menschliche Worte gemacht. Konsequenterweise stehen dann auch biblische Worte durchmischt mit Weisheiten von Laotse, Rabindranath Tagore oder Marquis de Vauvernagues.
Es ist unverkennbar, dass die Theologie der Autorin ihren Ausgangspunkt beim Menschen und seiner Befindlichkeit nimmt und nicht bei Gott und seinem Wort. Neben den Sachinformationen sollen die Texte, Gebete, Bibel- und Liedtexte der »Annäherung an das Thema Tod, Sterben, Abschied nehmen« (S.8) dienen. Ein Glaubenszeugnis oder sogar eine Verkündigung der christlichen Botschaft ist nicht im Blick.
Für mich als Christen ist es völlig unverständlich, sich den Themen »Tod, Sterben, Abschied nehmen« annähern zu wollen, ohne von Hoffnung, Auferstehung, Jüngstem Gericht und ewigen Leben zu reden, und zwar durch den Glauben an Jesus Christus.
Unter Feministinnen mag es Sinn haben, in bevorzugender Weise Dorothee Sölle zu zitieren. Wer mit dem apostolischen Credo der Kirche bekennt: »Ich glaube an die Auferstehung des Fleisches!« kann nur betrübt den Kopf schütteln über das im Buch zitierte Unglaubensbekenntnis von Frau Sölle zum Thema: »Die individuelle und geistige Existenz endet mit dem Tod. Das ist kein Gedanke, der mir Schrecken einflößt, dass ich ein Teil der Natur bin, dass ich wie ein Blatt herunterfalle und vermodere, und dann wächst der Baum weiter, und das Gras wächst und die Vögel singen, und ich bin ein Teil dieses Ganzen« (S.13).
Auch die eigene Definition von Auferstehung, die die Autorin gibt, bleibt im Diesseits verhaftet und nimmt die leibhafte Auferstehung Jesu von den Toten nicht einmal in den Blick: »Auferstehung im christlichen Sinn bedeutet: Dem Tod ist die Macht genommen, alles, was gewesen ist, für beendet zu erklären. « Wenn Frau Kayales meint, damit für die Christen und ihren Glauben zu sprechen, so kann man nur deutlich sagen: NEIN, das ist nicht der Glaube zu dem wir durch die Auferstehung Jesu von den toten gerufen sind! Denn »wenn die Toten nicht auferstehen, so ist Christus nicht auferstanden, so ist euer Glaube nichtig, so sind wir die elendesten unter allen Menschen« (1.Korinther 15,16-19).
Wie elendig ist denn auch das, was als kirchliche Begleitung dem Leser des Buches vorgestellt wird. Die christliche Beerdigung ist zu einem »gemeinsamen Abschied nehmen« (S.8) verkümmert. »Die kirchliche Beerdigung bietet Raum und Zeit, Bilder und Sprache für diesen Abschied« (ebd.). Die Predigt anlässlich einer Beerdigung wird zu einer Traueransprache, »die das Leben des verstorbenen Menschen würdigt« (S.46) und immerhin noch »erinnert« an »den Trost, den uns Gott zugesagt hat«. Etwas verloren steht der Nachsatz da: »Ein Bibelwort wird ausgelegt« (ebd.). Selbstverständlich wird dann auch die Musik der Trauerfeier nicht unter dem Aspekt der Verkündigung gesehen, sondern als »eine eigene Form der Würdigung des Verstorbenen« (S.49). Dann wundert es nicht mehr, dass als Lieder für eine kirchliche Trauerfeier durchaus auch der Gefangenenchor von Nabucco (Verdi) oder Time to say Good Bye (Bocelli) empfohlen werden (S.51).
Alle diese Beispiele zeigen nur, wie das Menschliche anstelle des Göttlichen tritt. Die Würdigung des Verstorbenen tritt an die Stelle der Verkündigung von Gottes Gericht und Gnade. Das Abschiednehmen verdrängt die Hoffnung der Auferstehung. Menschliche Worte und menschliches Tun machen den mundtot, der als der von den Toten Auferstandene spricht: »Friede sei mit euch!«
Wäre dies ein Buch, das die Praxis weltlicher Trauerredner beschreibt, man legte es zur Seite und wendete sich wieder dem Evangelium zu. Leider zeigt dieses Buch, wie mitten in der evangelischen Kirche Gottlosigkeit und Hoffnungslosigkeit herrschen. Auf einem christlichen Büchertisch hat dieses Buch auf jeden Fall nichts zu suchen. Man kann diesem Buch nur einen Abschied wünschen — in aller Stille.
Wer in der Selbständigen Evangelisch-Lutherischen Kirche noch mit der Liturgie einer lutherischen Beerdigung vertraut ist, wird immer mehr ein Grauen empfinden, wenn es bei einer Beerdigung heißt: »Lasst uns Abschied nehmen«. Was damit theologisch gemeint ist, verdeutlicht das Buch von Christina Kayales. Wie klar war doch die alte lutherische Begräbnisliturgie. »Vor dem allmächtigen Gott lasst uns an den Tod und an die Ursache des Todes denken« — aus Gottes Wort. Und »lasst uns auch hören den Trost der heiligen Schrift« durch die Auferstehung Jesu von den Toten. Dieser klare Aufbau einer lutherischen Beerdigung nach Gesetz und Evangelium ist nun leider auch in der SELK verloren gegangen. Ein Abschied, den diese Kirche wohl noch bereuen wird, spätestens wenn auch Theologen der SELK der Theologie von Frau Kayales folgen werden.
Andreas Eisen

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