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Rezension

Podium Nr. 9 / September 2010

»Christen haben das Geben nötiger als die Kirche das Geld.« Diese herausfordernde These hat der amerikanische Bischof Robert Schnase aufgestellt. Sein Buch »Fruchtbare Gemeinden und was sie auszeichnet« motivierte viele Gemeinden, über das Geben des Zehnten neu nachzudenken. Dazu eine Predigt über Epheser 2, 4–10, gehalten von der Laienpredigerin Silvia Klingel aus Hofgeismar.


»Gott, der da reich ist an Barmherzigkeit,
erweist seinen überschwänglichen Reichtum,
seine Gnade an uns, die wir tot waren in Sünden,
die kaputt gehen, geknechtet von den Regeln dieser Welt.
Die macht er wieder lebendig, durch seine große Liebe,
mit der er uns geliebt hat.«
Fruchtbare Gemeinden, was zeichnet sie aus? Außerordentliche Großzügigkeit. Und die ist eine Gnade unseres Gottes, der so reich ist an Barmherzigkeit. Was ist außerordentliche Großzügigkeit? Es geht ums Geld. Im ersten Teil meiner Predigt möchte ich Ihnen und Euch etwas davon sagen, was ich bei Bischof Robert Schnase zu diesem Themenkreis gelernt habe. Dann, zweitens, das Augenmerk auf einen anderen Aspekt der Großzügigkeit richten. Und drittens davon reden, zu welchen ganz praktischen Entscheidungen in Sachen Geben ich für mich im Laufe der Jahre gefunden habe.
Geben können ist Gnade
Außerordentlich großzügiges Geben ist ein Segen – für den, der gibt. Und Christen haben das Geben nötiger als die Kirche ihr Geld. Diese Erkenntnis, ganz und gar revolutionär, verdanke ich der Lektüre dieses Buchs. Geben können mit außerordentlicher Großzügigkeit ist gegen die Regeln dieser Welt. Und genau diese Regeln machen uns Menschen kaputt. Größer, schöner, geiler, immer noch mehr. Das prägt unser Streben. Wer wir sind und dass wir jemand sind. drücken wir in Statussymbolen aus. Wir lassen uns einreden. unser Selbstwert hänge an dem Geldwert dieser Dinge.
Unsere Welt ist geprägt von Materialismus und von einem Konsum, der nicht mal mehr Raum lässt für Konsumieren: für Gebrauchen, Genießen, das achtungsvolle Einsetzen des Gekauften. In einer solchen Welt von »Konsumismus« gelten Menschen als erfolgreich, wenn sie etwas anschaffen konnten. Und zugleich ewig als minderwertig, denn immer hat jemand anderes mehr angeschafft. Ist meine Leistung damit weniger wert? Bin ich damit weniger wert? Immer wird beim Vergleichen ein anderer uns frech zuwinken: Ätsch! Mein ... ist aber größer, schöner, schneller, moderner. Und wir rennen hinterher, immer atemloser, bis wir tot umfallen. Dabei zerstören wir nicht nur uns als Einzelne, wir zerstören diese Erde, Wasser, Luft – als Lebensgrund aller Kreatur geliehen. Und zerstören damit die Gemeinschaft mit allen anderen Geschöpfen. »Die wir tot waren in Sünden, uns hat Christus lebendig gemacht.« Wir bekennen Christus als den Erlöser, als den Befreier. Die Freiheit der Kinder Gottes besteht im Umwerten dieser todbringenden Werte. Geben können ist Gnade. Geben können ist wunderbare Freiheit.
Geben ist ein Segen – für den der gibt
Es ist freilich auch eine Entscheidung. Ja, Christen müssen sich entscheiden, ob sie der Weisheit der Welt hören wollen oder der Weisheit Gottes. Es ist auch eine Frage der Selbstdisziplin, ja. Wir müssen es wagen. Geben, außerordentlich großzügig geben erfordert Gottvertrauen. Und zugleich erfahren die Gebenden ein Wachsen von Glauben und Gottvertrauen.
Christen haben das Geben nötiger als die Kirche das Geld. Aber Gott gibt noch dazu. Durch Maleachi lässt er uns sagen (Maleachi 3, 10ff): »Bringt den zehnten Teil eurer Erträge«. Unverkürzt heißt es: »Stellt mich auf die Probe, macht den Versuch, ob ich dann nicht die Fenster des Himmels öffne und euch mit Segen überschütte«! Das ist freilich kein Automatismus. Und Gott ist nicht käuflich.
Aber es gibt das Versprechen Gottes. Seine Aufforderung, es drauf ankommen zu lassen. Ihm auch darin zu glauben auf Gedeih und Verderb. Und es gibt die tausendfache Erfahrung, von der Paulus schreibt, dass Gott die großzügigen Geber in allen Dingen so reich beschenkt, dass wir jederzeit genug haben und wieder voll Dankbarkeit freigebig sein können. Gott ist so reich an Barmherzigkeit.
Anders großzügig sein
Wir saßen beim Vorbereitungstreffen über diesem Buch. Eine junge Frau sagte: Ich habe nicht viel Geld, ich kann nicht viel geben. Aber ich kann anders großzügig sein. Ich arbeite mit in dem sozialdiakonischen Projekt »Kinder in die Mitte«. Sie gibt sich selbst großzügig hinein in diesen Dienst.
Den Zehnten geben
Im dritten Teil möchte ich wieder auf das Geld sehen und von meinen Entscheidungen zum Geben erzählen. Nicht als ob ich das Maß der Dinge sei; sondern als Beitrag zu unserem ehrlichen Gespräch und zu unserer gemeinsamen zielgerichteten Glaubensentwicklung. Die Jahre, in denen ich wirklich wenig Geld hatte, waren meine ersten Berufsjahre. Da war die Kasse wirklich unangenehm knapp. Ich erinnere mich an eine Begebenheit: Mein Bruder half mir bei der Steuererklärung und murmelte über den Unterlagen: »Ich dachte eigentlich, du gibst mehr Beitrag.«
Tatsächlich habe ich jenen Jahren die kleinstmögliche Summe gesucht, um davon meinen Zehnten zu errechnen. Die Bemerkung hat mich damals weder zutiefst getroffen noch hat sie mein Gebeverhalten postwendend verändert. Wenn ich mich an die Zeit erinnere, wünsche ich, nie mehr so arm sein zu müssen. Zugegeben, ein geistlich fragwürdiges Motiv. Aber alles in allem überwiegt die Dankbarkeit, dass es mir heute so gut geht. Und so kann ich inzwischen den größtmöglichen Betrag suchen auf Gehaltszettel und Steuererklärung und davon den Zehnten errechnen. Etwas anderes wurde gar nicht passen zu den dankbaren Erinnerungen, wie viel Unterstützung mir zuteil wurde – damals in den kargen Zeiten und bis heute.
Mit Zachäus zu Oikocredit
Eine zweite Entscheidung habe ich dank Zachäus getroffen. Zachäus findet in der Begegnung mit Jesus zu außerordentlicher Großzügigkeit und verspricht: »Die Hälfte meiner Güter gehe ich den Armen.« Nachzulesen in Lukas 19. Die Hälfte meiner Güter gebe ich den Armen – was könnte das für mich heißen? Ich habe daraus gefolgert, den großen Teil meiner Ersparnisse bei Oikocredit, der ökumenischen Entwicklungshilfegenossenschaft anzulegen. Meine Güter so – zumindest leihweise – über die Mikrokredite den Armen zu geben.
Eine dritte Entscheidung. Immer wieder werde ich in Sachen Rente auf die so genannte Versorgungslücke aufmerksam  Meine erste Reaktion darauf ist allerweltsmäßig: Ich spare das, was das Budget hergibt, für das Alter. Irgendwann hörte ich für mich die Frage Jesu, die im Gleichnis an den reichen Kornbauer gerichtet wird: »Du Narr! Diese Nacht wird man deine Seele von dir fordern und wem wird dann gehören, was du angehäuft hast?« (Lukas 11, 16). Ich habe nicht zu der Glaubensfreiheit gefunden, das Angesparte zu verschenken. Aber die Frage so beantwortet, dass in meinen Dokumenten geschrieben und mit zwei Vertrauenspersonen besprochen ist, dass im Fall meines Todes das eventuelle Erbe an Arbeitsbereiche unserer Kirche geht. »Wem wird gehören, was du angehäuft hast?« Für die Sache Jesu soll sein, was ich angehäuft habe über dienliche Altersvorsorge hinaus. Soweit meine Entscheidungen.
Der Zehnte ist proportionales Geben
Ich nehme mir an dieser Stelle die Freiheit, von den Finanzen unserer Kirche und Gemeinde zu reden. Wenn ich richtig gerechnet habe, benötigen wir als Gemeinde von jedem Kirchenglied pro Monat 85 bis 90 Euro. Davon überweisen wir 70 Euro weiter über die Konferenzkasse für. die Gehälter unserer Pastoren im aktiven Dienst und im Ruhestand, das ist die so genannte Umlage. Die verbleibenden 15 bis 20 Euro pro Monat benötigen wir für unsere Arbeit hier vor Ort.
Eine solche orientierende Zahl zu nennen, birgt immer zwei Gefahren: Zum einen dass sich Geschwister mit wenig Geld und einem sensiblen Gewissen eine zu große Not aufs Herz legen lassen. Andere dagegen lehnen sich zurück. Und so kommt wieder der Zehnte in die Rechnung. Das proportionale Geben. Das ist erstmal sehr viel gerechter als eine Festsumme. Ein Unbehagen bleib: trotzdem, tun doch der Familie, die von 1.000 Euro lebt, hm) Euro Beitrag mehr weh, als 500 Euro Beitrag denen, die über 5.000 Euro verfügen.
Großzügigkeit öffnet das Fenster des Himmels
Trotzdem möchte ich dafür werben, das Geben des Zehnten einzuüben – auch mit Kindern. Ein Euro Taschengeld, das heißt dann: sofort zehn Cent in das Täschchen für das Opfer. Wir geben es Gott zurück in dem Wissen, dass wir alles von ihm haben und verantwortlich damit umgehen. Und wo wir beim verantwortlichen Wirtschaften sind, stecken wir eine weitere Zehn-Cent-Münze in die Spardose. Bleiben noch 80 Cent für den Geldbeutel, und die dürfen uns treuer Diener sein.
Was ist außerordentliche Großzügigkeit? Außerordentliche Großzügigkeit ist Gnade. Durch sie öffnet Gott die Fenster des Himmels und schüttet seinen reichen Segen herab. Durch außerordentliche Großzügigkeit heilt er unser krankes Wesen und befreit uns zur Freiheit der Kinder Gottes. Und obendrein beschenkt er uns immer wieder mit irdischen Gütern.
Christen brauchen das Geben mehr als die Kirche ihr Geld. Geben in außerordentlicher Großzügigkeit ist ein Segen – für den, der gibt.

Rezensierter Titel:

Umschlagbild: Fruchtbare Gemeinden und was sie auszeichnet

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Fruchtbare Gemeinden und was sie auszeichnet

Schnase, Robert C./Burkhardt, Friedemann/Ruof, Klaus Ulrich/Schilling, Eberhard

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