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Rezension

Lutherische Kirche 10/2011

Braucht es heute noch eine lutherische Bekenntniskirche, wie es die SELK ist? Oder ist das überholter Konfessionalismus, den man sich in einer Zeit der zunehmenden Säkularisierung gar nicht mehr leisten kann? »Es ist kaum eine Überzeugung heute so weit verbreitet wie die, dass das Christentum, wenn es überhaupt eine Zukunft haben soll, eine Religion der Gottes- und Menschenliebe, ein undogmatisches Christentum der Gesinnung und der Tat sein müsse.«
Nein, das ist kein Zitat aus der aktuellen Debatte über die Krise des Christentums, das hat Hermann Sasse, Theologieprofessor in Erlangen und später in Australien, 1930 geschrieben. Aber es stimmt heute vielleicht noch mehr als damals. Dogmatik, Fragen der Lehre, Bekenntnisschriften — damit mag man sich nicht mehr so richtig beschäftigen. Viel wichtiger als die »reine Lehre« sei doch, so die Überzeugung nicht nur an der Basis, wie man untereinander Gottes Liebe zum Ausdruck bringe.
Wozu also eine lutherische Bekenntniskirche? Wozu überhaupt ein Bekenntnis, und was ist das eigentlich? Das Bekenntnis, so Sasse, ist die Antwort auf die Offenbarung Gottes in Christus, und er fügt als zweites wesentliches Merkmal hinzu: Diese Antwort ist eben nicht nur das Bekenntnis eines einzelnen Christen, sondern es ist die Antwort einer Gemeinschaft, es ist Ausdruck des consensus der Kirche, in den sich der Einzelne hineinstellt.
»Der Glaube des Herzens und das Bekenntnis des Mundes gehören nach dem Neuen Testament untrennbar zusammen. Und wie spricht der Glaube sich aus? Nicht in einem Hymnus, nicht im Überwallen der Gefühle, sondern in einem Bekenntnis, einem nüchternen Seinsurteil, in dem die Tatsache der Offenbarung bezeugt wird: Du bist der Christus! Diese Nüchternheit, diese Sachlichkeit ist für alle Bekenntnisse charakteristisch. Sie sprechen Wahrheiten aus, nicht Gefühle. Ihre Theologie ist durchaus eine Theologie der Tatsachen.« Immer, so Sasse, bleibe Bekenntnis die Antwort auf die große Frage Jesu: »Wer sagt denn ihr, dass ich sei?«
Hermann Sasses scharfe Analysen mögen — damals wie heute — Widerspruch hervorrufen; bequem sind sie nicht. Aber wer nach der Identität einer bekenntnisgebundenen Kirche fragt, findet in seinen Beiträgen Antworten, die das Gespräch vertiefen können.   
Doris Michel-Schmidt

Rezensierter Titel:

Umschlagbild: In statu confessionis III (herausgegeben von Werner Klän und Roland Ziegler)

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In statu confessionis III (herausgegeben von Werner Klän und Roland Ziegler)

Texte zu Union, Bekenntnis, Kirchenkampf und Ökumene
Sasse, Hermann/Klän, Werner/Ziegler, Roland/Harrison, Matthew/Voigt, Hans-Jörg

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