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Rezension

Lutherische Kirche 04/2011

Kirchengeschichte mag vielleicht auf den ersten Blick eine trockene Angelegenheit sein, der man sich höchstens in den Studierstuben angehender Theologen widmet. Aber man kann die Gegenwart nicht verstehen ohne die Vergangenheit. Deshalb hilft ein interessierter Blick in die Geschichte um einzuordnen, wie die SELK geworden ist, was sie heute bewegt, welche Positionen sie vertritt.
Der 760 Seiten dicke Wälzer mit Dokumenten aus dem Bereich konkordienlutherischer Kirchen in Deutschland erleichtert einem dieses Verständnis der Geschichte durch eine klare Einteilung und erklärende, zusammenfassende Einführungen zu jedem Kapitel. Nicht nur diese Einführungen wurden für die – gegenüber dem Vorgängerband wesentlich erweiterte – Neuausgabe neu geschrieben, vor allem wurden die Veränderungen der letzten 20 Jahre erstmals systematisch dokumentiert, und es wurden auch einige thematische Kapitel neu aufgenommen, zum Beispiel Dokumente über die ökumenischen Beziehungen.
Wie war das noch mal mit der Union im 19. Jahrhundert? Da sollten die seit der Reformation getrennten lutherischen und reformierten Kirchen »uniert«, vereinigt werden. So fremd klingt dieser Gedanke uns heute auch nicht. Manch eine und einer auch in unserer Kirche mag vielleicht nicht mehr verstehen, was die evangelischen Kirchen immer noch trennt. Die Dokumente von damals erklären es – auch für uns heute. Und warum scheiterten letztlich die Einigungsverhandlungen mit der Evangelisch-Lutherischen Freikirche? Warum entstand in Baden eine evangelisch-lutherische Kirche, und in welchem Verhältnis steht sie zur SELK? Was wurde jeweils als grundlegend für eine Kirchengemeinschaft festgelegt? Nein, die Kirche kam und kommt nicht um diesen ständigen Klärungsprozess herum, und dabei ist es unumgänglich zu wissen, was diejenigen geglaubt, erkannt und gelehrt haben, die vor uns waren. Für ein Selbstverständnis, das weiter trägt, muss sich gerade eine selbstständige Kirche ihrer Grundlagen und Grundsätze immer wieder neu bewusst werden. Im Nachlesen der Dokumente erkennt man nicht nur das Ringen um den rechten Weg, sondern auch die Verletzungen und das Leiden, das mit den Auseinandersetzungen und Trennungen verbunden war. »Erst wenn aus den historischen Quellen die allzu menschlichen Faktoren, zugefügtes Leid und eingestandene Schuld benannt sind«, schreibt daher Bischof Hans-Jörg Voigt im Vorwort, erst dann sei es möglich, »zum Wesentlichen vorzudringen: zur Lehre der Heiligen Schrift, zu den Sakramenten und zu den Bekenntnissen der Kirche«. Der Quellenband, herausgegeben von den beiden Oberurseler Professoren Werner Klän und Gilberto da Silva, ist ein Fundus für alle, die tiefer eintauchen wollen in die Entstehungsgeschichte bekenntnislutherischer Kirchen. Sogar der – zugegeben hohe – Preis sollte einen nicht abschrecken; für so manches Kleidungsstück ist man bereit, mehr auszugeben.
Doris Michel-Schmidt

Rezensierter Titel:

Umschlagbild: Quellen zur Geschichte selbstständiger evangelisch-lutherischer Kirchen in Deutschland

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Quellen zur Geschichte selbstständiger evangelisch-lutherischer Kirchen in Deutschland

Dokumente aus dem Bereich konkordienlutherischer Kirchen
Klän, Werner/Silva, Gilberto da/Brunn, Frank Martin/Grünhagen, Andrea/Herrmann, Gottfried/Heyn, Gottfried/Stolle, Volker/Süß, Stefan

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