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Rezension

Lutherische Kirche 01/2010

Was ist das »Gültige«, das der Kirche anvertraut ist, das für die Kirche tragend ist und bleiben soll? Jobst Schöne, emeritierter Bischof der SELK, erinnert an dieses »Gültige« in Vorträgen, Aufsätzen, Predigten. Anlässlich seines 50. Ordinationsjubiläums am 30. November 2009 sind nun Beiträge von ihm in einem Sammelband erschienen, herausgegeben von Kirchenrat Michael Schätzel. Was also ist das »Gültige«? Was sind die elementaren Inhalte lutherischer Theologie? Jobst Schöne entfaltet die Bedeutung der Sakramente, erläutert das Verständnis des geistlichen Amtes und der Rechtfertigung. Und immer macht er deutlich, dass Theologie und Kirche zusammengehören. Die Frage der Kirchen- und Abendmahlsgemeinschaft zum Beispiel führt mitten hinein in theologische Auseinandersetzungen, die – wenn sie denn nicht verschämt verschwiegen werden – auch in der gegenwärtigen gemeindlichen Praxis immer wieder Thema sind. Jobst Schöne benennt, was uns diesbezüglich nach wie vor herausfordert. Heutzutage ist man »tolerant«" – auch anderen Kirchen, Konfessionen und Frömmigkeitsformen gegenüber. Was soll da noch das Pochen auf die eigene konfessionelle »Abschottung«? Das Anerkennen von – und vielleicht auch das Wissen um die Unterschiede im Verständnis dessen, was beim Abendmahl geschieht, schwindet. Die sich deutlich abzeichnende Minderheitenposition der Christen insgesamt führt dazu, dass man eine gegenseitige Abgrenzung als nicht mehr zeitgemäß ansieht. »Um ›lutherische Identität in kirchlicher Verbindlichkeit‹ glaubhaft darzustellen und Kirchen- und Altargemeinschaft in unserer Zeit theologisch fundiert, schrift- und bekenntnisgemäß und verantwortlich zu praktizieren, muss man sich den Fragen stellen, die heute aufbrechen. Man kann die Antworten nicht allein im Rückgriff auf die Tradition finden, denn es sind neue Herausforderungen, denen wir uns gegenüber sehen«, schreibt Schöne. Wenn er »Gültiges« in Erinnerung ruft, wird deutlich, wie die Antworten auf diese Fragen aussehen können. Das gilt für die Abendmahlspraxis, das gilt für die Feier des Gottesdienstes, das gilt insbesondere auch für die Beichte und die Frage nach der Rechtfertigung des Sünders, der in diesem Band mehrere Beiträge gewidmet sind. Nicht nur das Sündenbewusstsein ist in unserer Zeit geschwunden, auch das jüngste Gericht kommt im Denken und Empfinden kaum noch vor. »Die Rechtfertigung und eine Gesetzespredigt, die den Hintergrund dafür ausleuchtet, finden in unserer Zeit, so will es scheinen, immer weniger Verständnis«, so Schöne. »Das liegt nicht nur am weithin geschwundenen Sündenbewusstsein. Auch der nicht minder weitgehende Verlust der Vorstellung vom Endgericht, in dem wir uns zu verantworten haben, blockiert solche Akzeptanz«.
Das »Gültige«, an das Jobst Schöne auf unterschiedliche Weise erinnert, ist nicht immer bequem. Es ist manches Mal so anstößig, wie es die Inhalte des christlichen Glaubens eben sind. Umso mehr könnten die Beiträge in diesem Band Anstöße sein, auch in den Gemeinden neu über das, was gilt und was gelten soll in unserer Kirche, zu diskutieren.
Doris Michel-Schmidt

Rezensierter Titel:

Umschlagbild: Gültiges in Erinnerung rufen (herausgegeben von Michael Schätzel)

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Gültiges in Erinnerung rufen (herausgegeben von Michael Schätzel)

Beiträge zur lutherischen Theologie
Schöne, Jobst/Schätzel, Michael

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