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Rezension

Pfarrbrief der ev.-luth. St. Mariengemeinde zu Berlin-Zehlendorf, Februar 2010

Den Verfasser der Aufsätze dieses Buches brauche ich als langjährigen Pfarrer und langjähriges Glied unserer St. Mariengemeinde den Lesern dieses Pfarrbriefes ebenso wenig vorzustellen, wie den Anlass der Herausgabe dieses Buches, das Goldene Ordinationsjubiläum des Verfassers am 30. November 2009. Während der Feierlichkeiten dieses Abends in unserer Gemeinde wurde Bischof Dr. Schöne ein erstes Exemplar des Buches überreicht; weitere Exemplare haben nicht wenige von Ihnen an diesem Tag und in den folgenden Wochen bereits am Büchertisch unserer Gemeinde käuflich erworben. Denjenigen, die es sich noch nicht angeschafft haben, möchte ich den Kauf des Buches wärmstens empfehlen.
Ich tue dies nicht bloß aus persönlichem Respekt vor dem Verfasser, und ich rate Ihnen auch nicht bloß zur Anschaffung dieses Buches, weil dies möglicherweise ein Stück weit Ihre Neugier befriedigen mag, was denn ein emeritierter Bischof in seinem „Ruhestand“ so alles macht - denn fast sämtliche Aufsätze und Vorträge dieses Buches sind in seiner Ruhestandszeit hier in Zehlendorf entstanden. Sondern ich mache für dieses Buch ganz unverhohlen Werbung, weil ich davon überzeugt bin, dass Sie durch die Lektüre dieses Buches eine Ermutigung erfahren werden, als lutherische Christen in einer lutherischen Bekenntniskirche zu Hause zu sein, und dass Sie dabei zugleich erfahren werden, dass diese Zugehörigkeit keine Engstirnigkeit darstellt, sondern den Horizont erweitert für die eine, heilige, allumfassende und apostolische Kirche, die wir im Glaubensbekenntnis jede Woche bekennen. Der Verfasser ist nicht dafür bekannt, die Kirche mit selbstgebastelten neuen Lehrmeinungen zu beglücken, die sich an die jeweiligen Strömungen des theologischen Zeitgeistes anschmiegen. Ausdrücklich will er „nicht neue Erkenntnisse liefern, sondern Gültiges in Erinnerung rufen“, mit Bezügen zu den Quellen wie zur Gegenwart. Die Aufsätze, Vorträge, Predigten und Andachten, die in diesem Buch zusammengestellt sind, behandeln zentrale Themen lutherischer Theologie: Die heilige Schrift und das lutherische Bekenntnis, Kirche und Amt, Rechtfertigung und Sakramente. Immer wieder kommt darin, wie Michael Schätzel in seinem Vorwort betont, „der Pastor und Seelsorger Jobst Schöne zur Sprache, der Theologie und Kirche zusammenbindet und gewiss auch lehren, vor allem aber verkündigen will.“ Dass Theologie nicht den Versuch darstellt, einfache und verständliche Dinge möglichst kompliziert und unverständlich auszudrücken, sondern im Gegenteil auch interessierten Gemeindegliedern zugänglich und für sie verständlich sein soll, ist ein Anliegen des Verfassers, das sich auch in den zusammengestellten 25 Beiträgen dieses Buches immer wieder wahrnehmen lässt. Zugleich macht ein Blick auf die Anlässe, bei denen die gesammelten Vorträge gehalten wurden, deutlich, wie das Wirken des Verfassers weit über den Rahmen unserer Selbständigen Evangelisch-Lutherischen Kirche hinausreicht und wie sein Wort auch in anderen Ländern und Kirchen dankbar gehört und bedacht wird. Vorträge, die in Litauen, in Finnland und in Lettland gehalten wurden, finden sich in dem Buch ebenso wie Vorträge vor dem Lutherischen Einigungswerk in Leipzig, der Arbeitsgemeinschaft Kirche und Bekenntnis in Chemnitz, der Arbeitsgemeinschaft Bekennende Gemeinde in Bünde oder der Konrad-Adenauer-Stiftung auf Schloss Wendgräben.
Jeder einzelne Beitrag diese Buches verdiente eigentlich besondere Erwähnung; doch beschränke ich mich hier auf einige Beiträge, die für die Glieder unserer Gemeinde von besonderem Interesse sein dürften: Dazu zählt ein äußerst erhellender Vortrag über „Kirchenleitung und Kirchenordnung nach lutherischem Verständnis“, der zwar in Riga gehalten wurde, aber für unsere Verhältnisse hier in Deutschland in gleicher Weise von Bedeutung ist. Gewiss etwas anspruchsvoller und in manchem auch provokant, aber einer gründlichen Beschäftigung wert sind Schönes „Überlegungen und Gedanken zu Fragen von Kirche und Kirchengemeinschaft“, die er auf einem Theologischen Symposium an unserer Lutherischen Theologischen Hochschule in Oberursel vorgetragen hat. Ein Aufsatz des Buches befasst sich mit Georg Philipp Eduard Huschke, einem der „Väter“ der altlutherischen Kirche im 19. Jahrhundert, über den der Verfasser einst promoviert hatte und den er mit diesem Aufsatz der Vergessenheit entreißen will. Immer wieder besonders lesenswert ist der „Hirtenbrief zum Gottesdienst und zum Altarsakrament“, den Bischof Dr. Schöne zum Abschied aus seinem Dienst in Hannover verfasst hat und der nicht nur für alle Pastoren unserer Selbständigen Evangelisch-Lutherischen Kirche eine selbstverständliche Pflichtlektüre sein sollte, sondern auch Gemeindegliedern eine ganz wichtige Hilfe zum Verständnis gottesdienstlicher Vollzüge sein kann. Zwei Beiträge des Buches befassen sich mit der Heiligen Beichte als Geschenk Gottes und konkret mit der Beichtansprache. Bewegend ist ein kurzer Beitrag mit dem Titel „Ein Lutheraner begegnet Maria Laach“, der im Laacher Lesebuch zum Jubiläum der Kirchweihe 1156-2006 veröffentlicht wurde. Und für sehr hilfreich halte ich schließlich auch den Beitrag über „Israel im Lichte der Bibel“, in dem gleichermaßen theologische Nüchternheit als auch das heiße Herz des Verfassers bei diesem Thema erkennbar wird und der in heutigen Diskussionen eine wichtige Wegweisung darstellen kann.
Viele weitere Schätze finden sich in diesem Buch, das schon allein wegen seines Inhalts, aber auch wegen seiner gediegenen Aufmachung, inklusive eines Sachregisters, den gewiss nicht ganz billigen Preis mehr als rechtfertigt. Wir haben am Büchertisch noch reichlich Exemplare vorrätig ...

 

Dr. Gottfried Martens

Rezensierter Titel:

Umschlagbild: Gültiges in Erinnerung rufen (herausgegeben von Michael Schätzel)

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Gültiges in Erinnerung rufen (herausgegeben von Michael Schätzel)

Beiträge zur lutherischen Theologie
Schöne, Jobst/Schätzel, Michael

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