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Rezension

Pietismus und Neuzeit, Bd. 34 (2008)

Für den Historiker ist es nach wie vor nicht leicht, Methodismus in das Spektrum der religiösen Bewegungen - oder sollte ich sagen: Kirchen oder gar Konfessionen? - einzuordnen.
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Bei so viel Entwicklung, so vielen Kontroversen über theologische Grundpositionen, so vielen Versuchen, neue Positionen innerhalb eines komplexen Spektrums religiöser Bewegungen, die neben und innerhalb großer Konfessionen bestanden, zu beschreiben, wird deutlich, wie schwierig es gewesen sein muss, ein Buch über »John Wesley und der frühe Methodismus« zu schreiben. An Voraussetzungen für dieses Unternehmen brachte Richard P. Heitzenrater vorzügliche Qualifikationen mit: Er ist Archivar, der die Geheimschrift, in der John Wesley Teile seiner Diaries schrieb, auflöste, Professor für Kirchengeschichte an der renommierten Duke University in den USA und zusammen mit Frank Baker und Reginald W. Ward Herausgeber der  Works of John Wesley.
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Auf beinahe vierhundert Seiten wird mit einer gelegentlich überbordenden Detailfülle die Thematik in chronologischen Schritten in den sechs Kapiteln entfaltet. Für den Historiker- aber sicherlich nicht für den in methodistischer Terminologie und Theologie versierten Leser- wird gelegentlich verwirrend dargestellt, wie sich die Biographie John Wesleys in enger Verzahnung mit der Weise, wie sich der frühe Methodismus in den zahlreichen Kontroversen mit den Herrnhutern, den kalvinistisch gesinnten Anhängern von George Whitefield und den evangelikalen Predigern innerhalb der anglikanischen Kirche entwickelte. Die Konzentration auf diese Verzahnung macht den eigentlichen Reiz dieser Arbeit aus; sie weist aber auch auf die Probleme der Arbeit hin: Nicht immer gelingt es, die beiden Themen: »Entwicklung des frühen Methodismus« und »Biographie John Wesley« im Gleichgewicht zu halten. Immer wieder tritt die Person Wesley in den Vordergrund, die strukturellen Entwicklungslinien werden »biographisiert« und ihre Strukturen unscharf.
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Endlich vermisst der Historiker auch eine etwas tiefer gehende Analyse der politischen Ansichten von John Wesley: Seine Haltung zur Amerikanischen Revolution wird erwähnt (307, 336); aber seine Gedanken zur politischen Reformbewegung in England bleiben unausgelotet, wiewohl Wesleys gesellschaftsmoralische Ansichten sich in vielen Bereichen mit jenen der politischen Reformer überschneiden. Immerhin wäre es denkbar gewesen, Verbindungslinien von der methodistischen zur parlamentarischen Reformbewegung zu ziehen.
Was bleibt als Fazit: Heitzenrater hat eine an Details überbordende, für den Spezialisten vorzügliche Geschichte der Verzahnung von John Wesleys Biographie mit der Entstehung der methodistischen Kirche in England geschrieben. Dass der Leser dabei das eine vermisst und vom anderen zu viel findet, ist angesichts der Schwierigkeit der Unternehmung kaum erstaunlich. So lange der Leser keine kritische Auseinandersetzung mit der entstehenden methodistischen Kirche erwartet, sondern eine eher positivistische, detailgesättigte Darstellung sucht, wird er von Heitzenraters Arbeit nicht enttäuscht sein.
 
Hermann Wellenreuther (Auszug)

Rezensierter Titel:

Umschlagbild: John Wesley und der frühe Methodismus

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John Wesley und der frühe Methodismus

Übersetzt aus dem amerikanischen Englisch von Wolfgang Günther
Heitzenrater, Richard P.

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